1. Hauptversammlung 2008
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Musizieren bei der
Hauptversammlung am
3.2.2008

Pressebericht nach der Hauptversammlung von Max Oberweger

Ainring/Berchtesgadener Land/Traunstein (mo)

"Volksmusik hat nichts mit Kultur zu tun"
Verein "Aufgspuit und gsunga" will Gegenteil beweisen
 

"Verein zur Förderung der Pflege und Erhaltung von musikalischen brauchtumsbezogenen Kulturwerten" ist die exakte Definition von "Aufgspuit und gsunga". Der eingetragene und als gemeinnützig anerkannte Verein steht damit in klarem Widerspruch zu den in der Überschrift genannten Worten eines verantwortlichen Redakteurs der führenden freistaatlichen Sendeanstalt.
"Es geht um unsere Jugend und um unsere Kultur" schreibt der 1. Vorsitzende und Volksmusikpfleger des Landkreises Berchtesgadener Land, Hansl Auer aus Hammerau, im Vorwort zur Infobroschüre des genau ein Jahr alten Vereines. War auch die steuerlich notwendige Ordnung finanzieller Aspekte der Volkskulturarbeit der Auslöser, so liegt der Grund für die Schaffung des Vereins doch ganz woanders. Sätze wie der oben genannte verweisen nicht nur das musikalische Brauchtum in die Kuschelecke und missachten dabei auf fahrlässige Weise die Bedeutung der Traditionen für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Den leistet der Verein laut Satzung "durch Ausbildung, Fortbildung, Wertevermittlung, Singstunden, Volksmusikabende, Konzerte, sowie durch die Pflege der traditionellen alpenländischen Volksmusik insbesondere für Kinder und Jugendliche".
"Selbstverständlich sind damit die Älteren nicht vergessen" betont 2. Vorsitzender Siegi Götze aus Marquartstein, "denn Volkskultur lebt von Weitergabe." Was aber ist darunter genau zu verstehen? Siegi Götze: "Bei Volksmusik und Volkslied gibt es regionale Ausprägungen, die es wert sind, erhalten, gepflegt und vor allem weitergegeben zu werden. Das sind in erster Linie jene Formen, die sich am christlich-abendländisch geprägten Jahreslauf und damit am konkreten Leben selbst orientieren." Wie der Jahresbericht des 1. Vorsitzenden beweist, sind das nicht nur hohe Ansprüche, sondern die Realitäten von Praktikern und Multiplikatoren gelebten Brauchtums. Hansl Auer berichtet von den Schritten zur Gründung, zur Erlangung der Gemeinnützigkeit, den ersten Wahlen und Treffen und besonders von den Inhalten der Vereinsarbeit. Dazu zählen Singstunden für Jung und Alt, zahlreiche musikalische Veranstaltungen wie der Musikantentag in Waging, Musi & Gsang in Reichenhall, ein umfangreiches Seminar in Ainring mit über 120 Teilnehmern und 25 Referenten - um nur die wichtigsten Eckpunkte zu nennen. Das Seminar wie die Mitgliederliste sind trotz jungen Alters international besetzt: Es finden sich Interessierte und Unterstützer aus der Region ebenso wie aus Österreich, der Schweiz, Südtirol, dem näheren und weiteren Deutschland und sogar aus Amerika. Zur Arbeit gehörte auch der Bericht des 1.Vorsitzenden vor dem Kreistag: "Ich weiß oft nicht mehr, als was ich eigentlich unterwegs bin" so Hansl Auer, "für die Musikschule, als Vorsitzender oder Trachtler, als Volksmusikant oder Kreispfleger". Dennoch ist der Verein keineswegs auf seinen umtriebigen Chef zugeschnitten. Die Vorstandschaft setzt sich ausnahmslos aus renommierten Volksmusikanten, Sängern oder Volkskundlern zusammen. Alleine wäre auch die immense Arbeit, etwa bei der Seminarvorbereitung kaum zu schaffen. "Ganz besonders danke ich meiner Vorstandschaft für ihre vielfältige Arbeit" so Hansl Auer, "und keineswegs ist die Hilfe von Landrat und Landratsamt zu vergessen, die uns bei der Gründung so pfundig unterstützt haben." Nach den üblichen Formalia, die ein Verein bei seiner Jahreshauptversammlung abzuhalten hat, widmen sich Vorstand und Mitglieder der inhaltlichen Diskussion. Da die Grundlagen definiert sind, die Veranstaltungen sich gemäß der Satzung auch 2008 am vorgegebenen Rahmen orientieren, bleibt Zeit für Standortbestimmung und Vorausschau. Generell sieht sich „Aufgspuit und gsunga“

 nicht als Konkurrenz zu ähnlichen Vereinen. sondern als Ergänzung. „Unser vorrangiges Ziel ist aber nicht, allwissend den volksmusikalischen Gral zu hüten“ sind sich Vorstand wie Mitglieder einig, „das können und wollen wir gar nicht. Aber unsere Musiziertradition zu erhalten und behutsam fort zu entwickeln ist uns sehr wichtig“. Auch wenn die Liste der Mitglieder schon jetzt international geprägt ist, bleibe der Schwerpunkt der Vereinsarbeit in und auf den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Dem 2. Vorsitzenden Siegi Götze ist dabei wichtig, dass sich die Kräfte nicht nur in Arbeit erschöpfen, sondern auch durch pflichtfreies Beisammensein gestärkt werden. Er regt ein jährliches geselliges Treffen an und trifft damit auf breite Zustimmung. Von ihm stammt auch die Idee, Medien und Funktionäre mit den Inhalten von Verein und Brauchtum allgemein vertrauter zu machen: „Oft fehlt den Berichterstattern die Nähe zum Thema. Das beweist der schlimme Satz eines Redakteurs, dass Volksmusik nichts mit Kultur zu tun habe.“ So wird die demnächst erscheinende Infobroschüre des Vereins nicht nur dessen Inhalte und Ziele vorstellen, sondern dem Einsatz für Brauchtum und Volksmusik ein Forum geben. Wie der aussehen kann, stellten Vorstand und Mitglieder mit frischen Weisen und Liedern im Anschluss an die Versammlung anschaulich und lebendig unter Beweis.